Presseerklärung der BIL vom 10. August 2005
Es ist absolut unverständlich, dass die Hessische Landesregierung vor den Fluggesellschaften
kneift, so Ingrid Wagner, zu der jetzt bekannt gewordenen Entscheidung, die vorgesehene Verschärfung der
Nachtflugbeschränkungen am Frankfurter Flughafen zu verschieben. Die Landesregierung soll endlich handeln
und die hohe Zahl von durchschnittlich 150 Flugbewegungen pro Nacht in einem ersten Schritt auf wenigstens
100 Flüge reduzieren. Als nächster Schritt soll ein Nachtflugverbot von 22 bis 6 Uhr folgen.
Seit Mitte der 80ziger Jahre ist die Zahl der nächtlichen Flugbewegungen von ca. 49 Bewegungen pro Nacht
über 78 Bewegungen pro Nacht Mitte der 90ziger Jahre auf über 150 Bewegungen in der Zeit von 22 bis 6 Uhr
im Jahr 2005 gestiegen. Es gibt einzelne Nächte mit 214 Flugbewegungen im Jahr 1999, 203 Bewegungen im
Jahr 2000 und 227 Bewegungen im Jahr 2004. Im ersten Halbjahr 2005 gab es ein einer Nacht 197
Flugbewegungen, in einer anderen Nacht 154 Flugbewegungen.
Der nächtliche "Lärmterror" nimmt ständig weiter zu, aber die Gesundheit der Bevölkerung hier
im Rhein-Main-Gebiet bleibt auf der Strecke. Wirtschaftlichkeit kommt noch immer vor Gesundheit
und Lärmschutz für die Bevölkerung.
Längst haben renommierte Mediziner nachgewiesen, dass nächtlicher Fluglärm zu Bluthochdruck
und Herz-Kreislauf-Erkrankungen führt. Kinder sind im Schulunterricht unkonzentriert und haben
Lärmschwächen, alte und kranken Menschen sind durch die hohen nächtlichen Fluglärmwerte besonders betroffen.
Das Verhalten der Landesregierung gegenüber Protesten der Fluggesellschaften (an erster Stelle die Lufthansa)
einzulenken und das Fliegen rund um die Uhr zu ermöglichen, lässt für das vollmundig angekündigte
Nachtflugverbot von 23 bis 5 Uhr beim Bau der neuen Nordwestbahn am Frankfurter Flughafen nichts Gutes erwarten.
Die Lufthansa wird ihre Besitzstände juristisch durchsetzen und das im Planfeststellungsbeschluss für die neue
Landebahn vorgesehene Nachtflugverbot zu Fall bringen.
Wer soll einem Ministerpräsidenten Roland Koch (CDU) noch glauben, wenn er erklärt: "Kein Flughafenausbau ohne Nachtflugverbot".
Heißt dies im Umkehrschluss: "Ohne Nachtflugverbot keine Inbetriebnahme der neuen Landebahn".
Wenn diese erst einmal gebaut ist, wird sie auch benutzt werden.
Die Bevölkerung hier in der Flughafenregion hat mit den Ministerpräsidenten in Sachen Flughafenausbau
eine lange Erfahrung, alle Versprechen von Holger Börner (SPD), Hans Eichel (SPD) und demnächst
Roland Koch (CDU) haben sich als Makulatur erwiesen.
Ingrid Wagner von der BIL (Bürgerinitiative Luftverkehr) betont abschließend: "Wir brauchen bereits jetzt einen
umfassenden Lärmschutz am Tage und ein Nachtflugverbot von 22 bis 6 Uhr. Ein Ausbau des Frankfurter Flughafens
ist umweltpolitisch nicht zu verantworten, ökonomisch höchst fragwürdig und schadet der Lebensqualität der Menschen
im Ballungsraum Rhein-Main."